Echsismus in Echtzeit

NoEchsX über die Echsismusdebatte

Jochen Kopp-Knopp begann den Tag mit einem Eichensmoothie. Es galt den Darm zu reinigen. Tageintagaus kamen ja Bakterien, Mikroben, Tierweltgestelle aller Couleur in die menschlichen Innereien hinein gespült, ob Mann wollte oder nicht, dass einem beim Blick in den Spiegel schlecht werden konnte.

Kopp-Knopp betrachtete, in seinem Arbeitszimmer standen die Fenster offen, das Verlagsprogramm und fragte sich erneut, wie er die junge, aufstrebende Generation mit Frischware versorgen konnte. Freya, die junge Verlagsmitarbeiterin, die er letzte Woche angestellt hatte, deren Schönheit nun unter dem Mundnasenschutz schlummerte, hatte ihm nämlich einen dezenten Hinweis gegeben. Was fehlte zwischen den ayurvedischen Darmreinigungspulvern – denen Kopp-Knopp aufgrund ihrer Herkunft tunlichst misstraute – und den Wehrmachtschinken – beides derzeit die unangefochtenen Topseller - war etwas, wie sagte es Freya: „Freshes“. Die Echismus-Debatte hatte der Kopp-Knopp-Verlag verschlafen.

Guido kam heute früher vom Golfen aus dem benachbarten Hornberg zurück. Er schlappte wie gewohnt tattrig in die Verlagsräume und schaute seinem angeheirateten Geschäftspartner über die Schulter.

„Du brauchst die Echsismus-Debatte nicht! Was dir fehlt, sind die drei verbleibenden Bände „Hitlers Schleimspur“, „Hitlers Weichteile“ und „Hitlers noch zappelnder, abgefallener Schwanz“. Ich bin nächsten Monat soweit. Sobald Ruth-Martina Sellner-Kubitschek das neue Nachwort einreicht, können wir uns an die Druckfahnen machen.“ „Nichts da, Gigi! Freya sagt wir haben die Echsismus-Debatte verschlafen! Und wir sollten sie mit ihren eigenen Waffen schlagen! Aber was kann das bedeuten?“ „Wer ist Freya? Und überhaupt, was riecht hier so unangenehm, Jochen?“, zischte Guido unter seinem Ledermantel.“
„Das ist mein Darm! Ich mache doch gerade die Eichenkur.“
„Die Eichenkur zu dieser Jahreszeit ist Unsinn. Wer hat dir das nun wieder empfohlen? Ich hoffe es hat sich kein Eichen-Prozessionsspinner in dein Küchengerät verirrt. Du scheinst ja völlig neben dir zu stehen!“
Jochen setzte sich an seinen monumentalen Schreibtisch, den er aus dem Erbe der Familie Schmitt-Heidegger bezogen hatte und spitzte einen Bleistift solange bis der Spitzer seinen Geist aufgab. „Für die Eichenkur aus unserer hauseigenen Baumschule ist das jetzt die richtige Jahreszeit!“
Jochen klingelte.
Freya erschien.
Freya hatte sich ihre blonden Haare hochgesteckt, sodass die beiden Herren das Mal an ihrem Hals betrachten konnten.
„Sie sind also Freya?“
„Ja!“
„Wo haben Sie studiert?“
„In Schnellhoda“
„Soso. Und kommen auf Empfehlung?“
„Richtig.“
„Und haben Sie sich gut eingelebt? Ich nehme an Sie wohnen im Seitenflügel mit Blick auf unsere Breker-Statue?“
„Ja, Sie ist wundervoll. Ich werde Sie auch in meiner Präsentation erwähnen.“
„Jetzt legen Sie endlich los, Freya!“
Jochen rutschte nun ungeduldig auf seinem Sessel hin und her.
„Guido, möchtest du Freyas Vortrag folgen? Ich habe dir doch erzählt, dass Sie unser Programm um ein paar neue Titel erweitern möchte. Titel, bei denen deine Staatsmedien vor Neid erblassen werden.“
„Meine Herren!“
Freya atmete ein. Ihr Atem erschütterte das Weltgestell. Ihr Atem war von einer unerschütterlichen Ruhe und Beharrlichkeit, dass die dem Spitzer anbei gestellte Buddhastatue auf dem Schreibtisch zu tanzen begann wie es sich die Spiritisten aus den vergangenen Jahrhunderten nicht zu träumen gewagt hatten. Jochen und Guido hielten den Atem an.
„Meine Herren! Sie sehen hier und heute die Mal-Werdung an meinem Hals in Echtzeit. Noch vor einer Stunde, bevor ich in den Ankleideraum von Herrn Kopp-Knopp trat, war hier nichts. Inzwischen mischt sich in das anfängliche Rot ein Ocker, ein leichtes Grün und bei Sonnenlicht betrachtet sogar ein Violett. Das ist sie schon fast, die gesamte Bandbreite der Echsimus-Debatte, die ich hier in aller Schönheit aufzeigen möchte.“
Guido ging zwei entschlossene Schritte auf Freya zu und schlug ihr mit der Faust ins Gesicht.
„Gigi! Das tut doch nicht Not!“
„Oh doch! Oh doch, Jochen!“
Freya taumelte, ging um ein Haar zu Boden und stand wenig später wieder aufrecht vor ihrem Flipchart.
„Danke, Herr Knopp. Sie haben mir einen großen Dienst erwiesen. Ich hatte zwar einige Bilder vorbereitet, um Ihnen das Ausmaß der Debatte vor Augen zu führen, aber performativ und ontologisch haben wir nun hier zusammen richtig gehandelt. Sie werden gleich sehen, wie sich um mein Auge herum ein ähnliches Schauspiel vollzieht wie in den letzten Minuten an meinem Hals. Ich möchte auch dies Echismus nennen.“
Jochen stand nun in der Tür. Doch Freya hielt ihn mit ihrer kräftigen Stimme zurück. „Und gehen Sie bloß nicht zum Kühlfach! Ich werde mein Auge nicht kühlen. Wir werden die Debatte buchstäblich in der Hitze des Gefechts betrachten. Das hier“, schallte sie, „ist exponenieller Echsimus par Excellence, meine Herren! Und das wollen auch Ihre Kunden miterleben!“
Freya schwieg.
Jochen ging nervös auf und ab, hinter sich den Geruch der Hölle verbreitend. Guido biss in einen Adamsapfel.
Hinter Freya wurde nun ein Livestream sichtbar, der die Ereignisse vom Vormittag abgebildet hatte und noch abbildete.
„Wir haben bereits Publikum! Und sekündlich werden es mehr! Und die Verkaufszahlen steigen messbar. Ich habe den Youtube-Kanal direkt mit den neuen Verlagstiteln verlinkt. ‚Echsismus in Echtzeit’ wurde bereits echstausend Mal verkauft, alleine echshundert Mal seit ich mit der Präsentation begonnen habe!“ „Bravo, Freya! Sie sind der Hit! Ich wusste dass sie hier einschlagen wie eine Bombe!"

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